Was hat der Spiegel gegen Mario Barth?
Innerhalb einer Woche schießt SpOn nun schon die zweite Breitseite gegen Mario Barth, so dass man meinen könnte, er hätte die Tochter des Verlegers geschwängert und wäre dann nach Südamerika entschwunden.
Nun ist Mario Barth sicherlich nicht der größte Komiker im vereinigten Nachkriegsdeutschland und seine Masche mag nicht jedermanns Sache sein – für’s Protokoll, meine ist es auch nicht – aber die an Penetranz grenzende Ausdauer, die SpOn hier an den Tag legt, erscheint dennoch kurios, zumal es doch weitaus unlustigere Berufsbespaßer in der Medienlandschaft gibt (Pocher, Stein, Schröder, Köster, Hermanns… nur um mal ein paar One-trick-Ponies zu nennen), die Häme und ätzende Worte mindestens gleichermaßen verdient hätten.
Womit also hat Barth den Zorn der selbsternannten Humorpolizei auf sich gezogen?
Liegt es am unbestrittenen wirtschaftlichen Erfolg, der heute leider selbstverständlich Neider auf den Plan ruft?
Oder daran, dass man sich so herrlich von oben herab über sein von Klischees und Gemeinplätzen durchsetztes Programm auslassen und sich damit gleichzeitig über das gröhlende und stampfende Publikum stellen kann?
Man sollte meinen, intellektuelle Geistesriesen wie Henryk M. Broder hätten besseres mit Ihrer Zeit zu tun oder wüssten zumindest, wo der Ausschalter an Ihrem Fernseher ist.
Mir erschließt sich jedenfalls nicht, wie man sich durch das klischeehafte Verreißen ebenso klischeebeladener Comedians validieren könnte.
Aber im Gegensatz zu diesen Autoren bin ich mir durchaus der Ironie bewusst, dass ich gerade 10 Minuten meines Lebens damit verbracht habe, über exakt diese Leute zu schreiben.
Dezember 1st, 2007 at 19:10
[...] [via] Diese Links sind im Artikel enthalten:www.spiegel.de/spiegel/0,1518,519429,00.htmlwww.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,520790,0www.meinarsch.de/2007/12/01/was-hat-der-spiegel-ge abgelegt unter: Unsortiert | Schlagworte: Deutschland, Erfolg, Spiegel [...]
Dezember 1st, 2007 at 23:17
Mir scheint, dass Spiegel wie SpOn allgemein gehörig überbewertet werden. Vielleicht brauchen wir bald ein “Spiegelblog” analog diesem anderen bekannten Beobachterblog?
Dezember 3rd, 2007 at 8:57
Wer im Glashaus sitzt …
SpOn ist schon seit geraumer Zeit im Sinkflug Richtung Regenbogenpresse, schade eigentlich.
Dezember 26th, 2007 at 14:46
Es ist ja nicht nur SpOn, sondern der Broder-Artikel umfasste zwei volle Seiten im Spiegel hoechstselbst. Wie ein anderer Blogeintrag (den ich gerade nicht wiederfinde) korrekt bemerkte: zwei verschwendete Seiten.
Immerhin in der naechsten Ausgabe fast eine Seite Leserbriefe dazu: ein Drittel “super, finde Barth auch doof”, ein Drittel “Barth ist einer der besseren”, und ein Drittel “Barth hin oder her – aber nicht so”.
“Intellektueller Geistesriese” haette ich auch gedacht, aber lt. der Wikipedia Seite scheint das auch ein Hobby des besagten zu sein, auch mal justiziabel polemisch zu schreiben.
Aber dieser Aufwand fuer _nichts_, mit handwerklichen Fehlern, wie etwa der Vergleich mit Huesch. Barth spielt in einer ganz anderen Sportart als der Huesch! Ausserdem: als wuerde Herr Broder die Frau Broder (so es sie gibt) wirklich immer verstehen. Und immer all ihre Handlungen verstehen.
Als waere das gegenseitige Bestaunen voellig abwegig. Dann waere als naechstes “Szenen von 1 Ehe” dran.
(Nur der vollst. halber: ich persoenlich finde das erste Programm von Herrn Barth grossartig, ein Meilenstein der deutschen Comedy. Wie woanders ausgefuehrt nicht primaer der Texte wegen, sondern mindestens genauso der Art des Vortragens. Dieses voellige sich-reinsteigern, das darstellt, dass “Joghurt-Becher-Aufheben” aber so-was von abwegig/skurril/grotesk waere, wodurch er nicht nur die X-Fraktion als witzig darstellt, sondern genauso die Y-Fraktion, die der Meinung ist, genau zu wissen, was richtig ist. Joghurt-Becher naemlich nicht. Er macht die Denkblasen von Y-s sichtbar, wenn sie das Treiben der X-Fraktion beobachten. Und diese Denkblasen stimmen einfach manchmal in so unglaublich exakter, pointierter Weise, dass es lustig ist.
Als Moderator/Gast von Fernsehshows geht Herr Barth mir aber auch auf die Nerven, und ich bilde mir ein, das zweite Programm habe unter der staendigen Fernsehpraesenz gelitten. Schlecht ist es ueber alles nicht; wenn ich jemanden aus dem Fernsehen verbannen sollte, fielen mir fuer zehn Finger andere Leute ein. Die evtl. auch eine andere Sportart sind (nur Interpreten, keine eigenen Texte), sonst reichts fuer eine Hand…)