Willkommen in der Diaspora…
Geschrieben von mein arsch in Angry old man, Bauchnabelschau, Brain removal, Gamerz Paradise am 31 Oktober 2007Heute war mal wieder so ein richtig schön beschissener Tag.
Wir hatten sowieso einen Termin in Frankfurt, da dachten wir uns, wir nutzen die Chance und suchen gleich mal einen Spieleladen auf um ein neues Brettspiel (“aber bitte kreativ!”) für eine unserer Bekannten aus unserer Spielrunde zu kaufen, die demnächst Geburtstag hat. Soweit so schlecht… mein ehemaliger Rollenspielladen hat ja schon vor Jahren zugemacht, da war nix mehr zu holen. Also auf die Zeil, da gabs einen Laden wo ich vor knapp einem dreiviertel Jahr mal was gekauft hatte, der hatte mich auch gut beraten.
Ankunft auf der Zeil lies schon mal die Stirn runzeln. Scheinbar braucht jetzt jedes Geschäft eine eigene Security Truppe die breitbeinig vor dem Eingang steht. Fehlt eigentlich nur noch “Du kummst hier ned rein!”. Wird da in letzter Zeit so viel raubüberfallen, dass die das nötig haben?
Also rein in die Zeilgalerie, mit der Rolltreppe hoch … kein Spieleladen. Stattdessen ist da jetzt ne Tui Buchungsbude drin. Na ganz toll. Also zurück zum Auto und überlegt. 11 88 0 angerufen, da werden einem ja angeblich geholfen. Die Dame war auch sehr nett, nannte mir drei Läden und schickte mir deren Adressen auch prompt per SMS aufs Handy … das nenne ich mal Service.
Dummerweise erwies sich einer der Läden als der, den wir gerade aufsuchen wollten und der ergo nicht mehr existiert. Also fuhren wir zum nächsten. Parkschein lösen (bereits der dritte am heutigen Tage, und die Frankfurter nehmen es ja nun wirklich von den Lebenden, mit 1 Euro pro halbe Stunde), zur Hausnummer laufen… kein Spielzeugladen, stattdessen ein leicht esoterisch angehauchter Ich-weiß-nicht-was-Tee-oder-so-Laden.
Ich: “Entschuldigung, kann es sein, dass hier früher ein Spieleladen drin war?”
Verkäuferin: “Ja, aber der ist schon lange weg. Der hatte ja vier Geschäfte, aber die haben ALLE zugemacht!”
Ich: “§$%&*#!!!”
Verkäuferin: “Ja, wenn Sie Modelle suchen, gehen Sie doch zu Modell-Michel, in der Klüsenixstraße!”
Ich: “Ne, wir suchen eigentlich Brettspiele…”
Verkäuferin: “Brettspiele? Na, da kucken Sie mal in der Braubachstraße, da gibt es noch ein Geschäft!”
Also ab und weiter in die Braubachstraße. Parkschein Nummer vier ziehen, Braubachstraße hoch- und runterwandern. Kein Spielwarenladen, dafür eine Galerie. Daneben … eine Galerie. Daneben … eine Galerie. Daneben … eine Galerie. Daneben … ein Starbucks. Daneben … eine Galerie mit extrem hässlichen überteuertem Mist (24.000 Euro für eine potthässliche afrikanische Fruchtbarkeits-Statue).
Irgendwann meint Frau I. dann zu mir: “Meinst du es war das da?” und zeigt auf eine leerstehende Geschäftszeile, an der noch ein verblichenes Hasbro Schid hängt. Auch der hat also zugemacht…
Alle möglichen obskuren Geschäfte haben wir gefunden, bei denen man sich fragen muss wie sie existieren, geschweige denn die horrenden Ladenmieten bezahlen können. Ein Laden der sich nur auf die Reparatur von Geigen (!!!) spezialisiert hat. Ich meine, ganz ehrlich, wie viel Geigen braucht ein Mensch im Leben? Eine? Und die auch nur im Ausnahmefall? Jede Menge Galerien, die sich scheinbar durch den Verkauf extrem hässlicher und teilweise verstörender Kunstwerke (Bilder von Zwillingen mit “Ich fang gleich an Erbsensuppe zu kotzen!” Blick) über Wasser halten können? Wie geht das? Ein Buchladen der nur und ausschließlich Kunst-Bildbände bis unter die Decke gestapelt hatte…
Fazit: Drei Stunden Suche durch Frankfurt und nicht einen einzigen Spieleladen mehr gefunden der über den Modellbau hinaus was beliefert. Kann, nein, DARF das denn sein? Ich komme mir ja vor wie in der ehemaligen DDR auf der Suche nach ner Banane.
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