Anatomie einer Selbstzerstörung
Geschrieben von mein arsch in Angry old man, Brain removal am 28 April 2005Heute waren Frau I. und ich in einer Inszenierung von Shakespeares “Ein Sommernachtstraum”. Ein Stück das schon so oft auf Bühnen gespielt wurde, dass es selbst für durchschnittlichste Schauspieler keine Herausforderung mehr darstellt. So, oder so ähnlich, muss der Regisseur Thomas Dannemann sich das wohl gedacht haben.
Was also tun? Der geistige Kurzschluss des Regisseurs kommt schnell “Lasst uns eine wilde Party draus machen und versuchen die Zuschauer zu schockieren”.
So wird kurzerhand die Handlung in die Gegenwart gelegt, man spricht zwar immer noch von Athen und dem Wald, die Bühne zeigt aber die Stammkneipe an der Ecke (inklusive Fangesänge ala “Ihr könnt nach Hause fahr’n! Ihr könnt nach Hause fahr’n”). Puck wird kurzerhand in zwei Personen aufgeteilt (wäre ja auch zuviel zu verlangen eine Rolle von nur einer Person spielen zu lassen), Oberon ist ein abgehalfterter Freier, der den weiblichen Puck besteigt, Titania mutiert zur übergewichtigen Domina, die ihren männlichen Puck auspeitscht und ihm mit der Schere in den Gummischwanz sticht.
Schockierend? Nein. Irgendwie blöd und infantil? Ja, das trifft es schon eher. Aber auch die restlichen Figuren sind lieblos dargestellt und lassen dem Zuschauer eher das kalte Würgen hochkommen. Hermias Vater, der seine Tochter im ersten Akt begrabbelt als wollte er sich an ihr vergehen. Lysander und Demetrius, die sich wie notgeile Böcke ergehen – kein Wort von Liebe, nur Geilheit zählt. Da ist es dann fast schon egal, dass sich Demetrius, nachdem er den Liebessaft ins Auge bekommt, seine Liebe zu Helena beweisen will, indem er auf offener Bühne Hermia auf den Kopf pisst, welche eben diesen noch über der Kloschüssel hängen hat, nachdem sie (nach durchzechter Nacht in der Disco) gerade dort eben erst ausführlichst hineingekotzt hat.
Ist das alles schockierend? Oder ist es doch eher infantilster Schulhof-Trash, wie man ihn zuletzt gut fand als man 11 war und Pippi-Kacka-Witze riss? Frau I. und ich sind dann jedenfalls irgendwann mitten im Stück aufgestanden, als wir schon seit einer halben Stunde auf die erlösende Pause gewartet haben die da einfach nicht kommen wollte.
Schade, dass man ein so schönes Stück derart brutal zerstückeln und seine Leiche zur Schau ausstellen kann.
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