Es begab sich also zu der Zeit, dass die Frau I. mich in ein kleines Schweizer Bergdorf entführte, wie ich ja bereits angedeutet habe. Zwei Wochen wollten wir dort leben wie Adam und Eva dereinst im Paradies, nur ohne die ganze Sache mit der Schlange und der Verbannung und so.
Allein, schon auf dem Weg dahin ergaben sich die ersten Probleme, hatte doch der Routenplaner Falk zwar eine exzellente Fahrtroute bis zur Schweizer Grenze für uns berechnet, hatte sich aber gleichzeitig direkt dahinter darauf eingeschworen uns durch ca. 800 kleine Städtchen mit einer maximalen Einwohnerzahl von 30 sowie ca. eine Milliarde Serpentinenstraßen zu führen … und nicht etwa über die Autobahn via Bern, wo man den selben Weg hätte in zwei Stunden zurücklegen können, wenn man es denn gewusst hätte!!!
So fuhren wir also bergauf und bergab, grad wie es uns gefiel. Der Schweizer von Natur aus hat sich ja sowieso schon eine bergige Landschaft ausgesucht um seinen Lebensabend zu begehen. Ich bin mir nicht sicher, aber wahrscheinlich hat der Schweizer anschließend noch ein paar Berge extra importiert, damit es keine Flache Stelle mehr in seinem Land geben möge. Was soweit ja kein großes Problem wäre, wenn der Schweizer nicht auch einige andere seltsame Vorlieben hätte, so z.B. für sinnlose Kreisverkehre (z.B. welche die einfach mitten in eine Straße eingebaut werden ohne Abzweigungen), Verkehrsschilder die mehrere Richtungen zu den selben Orten anzeigen (�Alle Wege führen nach St. Cachou�), Verkehrsschilder die so aussagekräftige Hinweise enthalten wie �Toutes directions� (frei übersetzt: hier geht�s überall hin!) sowie nicht zuletzt Straßen, die nicht ganz breit genug sind für auch nur ein Auto, aber in beide Richtungen befahren werden sollen. Der Schweizer hat dann auch kein Problem damit, von einem deutschen Touristen zu erwarten, dass dieser an einem 38prozentigem Gefälle doch bitte den Rückwärtsgang einlegen und den Berg rückwärts wieder hochfahren soll, damit er (der Schweizer) sich dann an ihm vorbeidrängen kann.
Womit der Schweizer durchaus Probleme hat ist umsichtige und rücksichtvolle Fahrweise. Obwohl der Schweizer Bußgeldkatalog bei lockeren 125 Euro anfängt (für 20 km/h zu schnell) setzt der Schweizer es scheinbar als gegeben voraus, dass jeder die vorgegebenen Geschwindigkeitsbegrenzungen grundsätzlich überschreitet. Wer es hingegen wagt sich an die Regeln zu halten, wird mit Lichthupe und Auffahren bedroht, wie es selbst einem eingestandenen Mercedes-Testfahrer gut zu Gesicht stehen würde.
Nichtsdestotrotz kamen wir dann doch irgendwann mal an unserem Zielpunkt an � ich selbst bekam davon nicht mehr so schrecklich viel mit, hatte sich durch die lange Autofahrt doch ein Nerv in meinem Rücken verklemmt, wodurch ich nur noch humpelnd und mit schmerzverzerrtem Gesicht in unsere Behausung und anschließend auf die zum Glück vorhandene Couch fallen konnte. Frau I. war dann noch so nett mich darauf hinzuweisen, dass sie jetzt erst mal die Tierhinterlassenschaften des letzten Jahres entfernt und wies mich freundlicherweise auch auf alle zwölf toten und lebenden Spinnen hin, die sie entfernte, aber das war mir dann auch egal. Zumindest zu dem Zeitpunkt.
Am nächsten Tag stellte ich dann jedoch fest, dass der Schweizer die Natur liebt, und dass die Natur den Schweizer scheinbar mit ebenso vehementer Leidenschaft zurückliebt. Dummerweise kann die Natur den Schweizer nicht vom Deutschen unterscheiden, weswegen wir uns während der folgenden zwei Wochen mindestens zweimal täglich darum bemühen mussten, etwas langbeiniges, schillerndes, beflügeltes, kribbeliges oder beliebige Kombinationen davon entweder mit der Fliegenklatsche zu erlegen oder mit dem Staubsauger dem wirbelnden Tod zu übergeben.
Generell gesehen gefiel mir die Schweiz gut, wenn da nur nicht die nervigen Berge wären, die einem dauernd im Weg rumstehen. Auch war in der Gegend, in der wir uns aufhielten, das Problem, dass der Schweizer sich weigert, etwas anderes außer Französisch zu sprechen. Nun verstehe ich leider nur Bruchstücke des Französischen, weswegen ich mich darauf floh meine Unterhaltungen mit �Bonjour� zu eröffnen, alle Sätze meines Gegenübers mit �Merci� zu beantworten und mich, wenn ich das Gefühl hatte mich ausreichend als blöder Deutscher geoutet zu haben, mich mit �Au revoir� zu verabschieden. Mitunter könnte das natürlich zu Missverständnissen geführt haben: �Je te casse ta geule!� � �Merci�
Was einem auch sehr bald nach der Ankunft auffällt ist, dass es keine dicken Schweizer gibt. Und wenn ich sage �keine�, dann meine ich �absolut keine�. Sollte man eine dicke Person in der Schweiz treffen, kann man grundsätzlich davon ausgehen, dass es sich um einen Touristen handelt. Zuerst war ich der Überzeugung, dass dieser Schlankheitswahn daher rührt, dass der Schweizer tagein, tagaus Berge hoch und runter läuft (bereits an unserem dritten Tag sahen wir ein ältliches Muttchen mit zwei schwer beladenen Körben, wie sie fröhlich eine 45 Grad Steigung hinaufsprintete), doch sobald wir unseren ersten Abstecher in den örtlichen Supermarkt machten, wurde uns der wahre Grund bewusst. Bei dem drei bis vierfachen der Preise, die Nahrungsmittel bei uns kosten, kann sich der durchschnittliche Schweizer einfach keine ordentliche Ernährung erlauben. Somit konnte auch hier festgestellt werden: wer (wie wir) im Supermarkt mit Schokolade an der Kasse erwischt wird, hat sich unweigerlich als dekadenter Ausländer erwiesen und wird fortan nur noch mit schnippischen französischen Begriffen tituliert (�Chouchou�, �Allemagne�, �Fromage�).
Nun ja, alles in allem waren die zwei Wochen trotzdem sehr entspannend, und wenn jetzt noch jemand genaueres darüber lesen möchte wie wir z.B. dafür gesorgt haben, dass ich nicht länger der �Herr der Ameisen� bin oder wie Frau I. und ich streng geheime Aufnahmen einer Schweizer Kaserne machten und dann vor der Schweizer Armee flohen, der kann das ja
bei Frau I. nachlesen. Ich geh jetzt erst mal einkaufen. Merci!
PS: Wer ein paar unserer exklusiven Urlaubsphotos sehen möchte kann
das auch tun. Bonjour!
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